Living Desert Tours – Auf den Spuren der „Small Five“ in den Dünen bei Swakopmund

Es ist Punkt Acht an einem kühlen , für Swakopmund typisch nebligen Septembermorgen, als der bullige Landrover vor unserer Haustür vorfährt. Heraus springt ein drahtiger, sonnengebräunter Namibier, der sich umgehend als Frohnatur entpuppt und uns mit seiner guten Laune trotz des ungemütlichen Wetters ansteckt. „Macht euch keine Sorgen, das wird heute noch ein schöner Tag. Gestern waren wir den ganzen Tag nur im Nebel unterwegs, aber heute wird die Sonne rauskommen. Dann wird es mir auch besser gehen, denn bei Temperaturen unter 30 °C friere ich. Übrigens, ich bin Tommy, und wir können gerne Deutsch sprechen.“ Ehe wir uns versehen, sitzen wir in Tommys altem Landrover und verlassen die Stadt in Richtung der Dünen. Weit kommen wir nicht, dann drehen sich die Räder bereits im weichen Sand auf der Stelle. Während Tommy den Reifendruck absenkt, erzählt er uns, was uns heute erwartet. Mit viel Gas erklimmt der schwere Wagen die erste Düne, und von nun an geht es auf und ab, wie auf dem Rücken eines Kameles.

Vorbei an den Resten der alten Bahnlinie, die unter den ständig wandernden Dünen begraben liegt, fahren wir Richtung Walvis Bay und lassen die Silhouette von Swakopmund, dem „südlichsten deutschen Nordseebad“ schnell hinter uns. Vor, neben und über uns türmen sich Berge von Sand, nichts als Sand, soweit das Auge blicken kann. Zumindest sehen unsere ungeübten Augen nichts anderes, ganz im Gegensatz zu Tommys scharfen Adleraugen. „Moment mal, muss eben mal nach was gucken“, und schon springt er aus dem Wagen und läuft zu einem kleinen Talerbusch, umrundet ihn prüfend, um uns dann mit strahlendem Lächeln herbeizuwinken. „Chamäleon“, sagt er und verschwindet im Führerhaus des Landrovers, um eine Dose mit schwarzen Toktokkies, Tenebriokäfern zu holen. Nach einem ausführlichen Vortrag über die Überlebensstrategien dieser auch „Kopfstandkäfer“ genannten Spezies erleben wir das schnelle Ende eines der Käfer live. Das bisher teilnahmslose Namaqua-Chamäleon entwickelt beim Anblick der zappelnden Käferbeine eine fast hektische Betriebsamkeit. Schließlich schießt die körperlange Zunge so blitzzschnell aus dem weit geöffneten Rachen, dass meine Kamera trotz sechs Bildern pro Sekunde nicht festhalten kann, wie sie den Käfer Tommys Fingern entreißt. Wir beobachten, wie es das Krabbeltier gierig verschlingt und hoffen, dass Tommy für uns ein paar Kekse dabei hat.
Von nun an wiederholen sich die Szenen für die nächsten Stunden: Anhalten, um einen kleinen Busch laufen, Kopf schütteln oder den Daumen zum Zeichen des Erfolgs in die Luft strecken. Tommy weiß, wo er die kleinen Wüstenbewohner finden kann, und so dauert es nicht lange, bis wir eine ansehnliche Zahl unterschiedlicher Wüstenbewohner auf unserer Liste abhaken können. Die „Dancing White Lady“, eine Wüstenspinne, die sich bei Gefahr zusammenrollt und wie ein Rad die Dünenhänge herunterrollt. Beinlose Skinks, eine Art Sandblindschleiche, die sich blitzschnell in kühlere Regionen unter der heißen Sandoberfläche eingraben. Weiße Käfer, die in der Namib endemisch sind, und weitere Chamäleons.

Längst hat die Sonne die Nebelschwaden vertrieben, und die Temperaturen steigen. Längst auch haben wir uns unserem Guide angepasst und unsere Schuhe im Landrover deponiert. Barfuß laufen wir durch den Wüstensand, bis Tommy uns vor einem kleinen Salzbusch stoppt. „Seht ihr die Zwergpuffotter unter dem Sand“? Er deutet auf eine Stelle am Rande des Busches, aber wir müssen unsere Nasen bis fast auf den Boden senken, um die beiden Augen zwischen den Sandkörnern zu entdecken. Mit dem Schlangenstock befördert Tommy das kleine, aber giftige Reptil in seinen Hut. Am Fuße einer hohen Düne gibt er der Schlange die Freiheit zurück, und mit seitlichen Bewegungen hinterlässt sie raupenartige Spuren beim Versuch, über den Dünenkamm zu flüchten. Ich folge ihr, um Fotos zu machen, aber bald wird der Sand zu heiß und zwingt sie zur Umkehr. Im Bewusstsein meiner nackten Füße ergreife nun ich die Flucht.

Inzwischen ist Tommy schon wieder fündig geworden. Voller Stolz präsentiert er uns eine fast einen Meter lange Sandschlange, die man in den Dünen nur selten findet. Ehe meine Frau sich versieht, hat Tommy ihr die Schlange um den Hals gelegt. „Keine Angst, die beißt nicht, du musst sie nur gewähren lassen“, beruhigt der Reptilienspezialist, um mir im nächsten Moment scherzhaft zuzuraunen: „ Das habe ich neulich auch zu einer Russin gesagt, und als sie dann gebissen wurde, hat mich ihr Mann fast umgebracht“! Ich versichere ihm, dass Russen und Deutsche in dieser Beziehung durchaus Gemeinsamkeiten haben.
Nach einem ausgiebigen Fotoshooting mit dem geduldigen superschlanken Modell lassen wir das Tier seine Wege ziehen, und Tommy macht sich auf die Suche nach neuen Fotomotiven. Wenig später kniet er an einer Düne, gräbt bis zu den Ellebogen im weichen Sand. „Siehst du diesen unterirdischen Gang? Das ist der Bau eines Palmatogeckos. Der ist fast durchsichtig, weil seine Haut keine Pigmente hat, und kann daher tagsüber nur unter dem Sand leben. An der Oberfläche würde er regelrecht verbrennen. Wir holen ihn daher nur kurz heraus und setzen ihn dann wieder in seinen Bau. Gesagt, getan, und wir alle staunen über die großen Augen und die pastellfarbenen, transparent wirkenden Farben des kleinen Geckos.

„Jetzt fehlt uns nur noch die Schaufelschnauzeneidechse, aber die werden wir auch noch finden“. Tommy fährt langsam am Fuße der Dünen entlang, bis er plötzlich aus dem Auto springt. Wir sehen eine kleine Eidechse die Düne hinauf rennen und Tommy, der zuerst seinen Hut in die Luft wirft und dann mit einem Hechtsprung in den Sand eintaucht. Grinsend kehrt er mit dem kleinen Reptil in seiner Hand zurück und erklärt uns den Trick. „Hinterher laufen kannst du nicht. Die Düne wird zum Kamm hin immer weicher, und die Echse ist zu schnell. Wenn du aber deinen Hut in die Luft wirfst, denkt sie, das ist ein Raubvogel, der sie fressen will, und gräbt sich in den Sand ein. Die Stelle musst du dir merken, und schon hast du sie! Aber passt auf, die ist wie ein kleines Krokodil. Wenn sie sich irgendwo festbeißt, lässt sie von alleine nicht mehr los“. Er demonstriert dies zuerst an seinem Zeigefinger, dann am Ohrläppchen meiner Frau. Ob er das bei der Russin wohl auch probiert hat?

Als wir nach fünf Stunden wieder unsere Schuhe an und den festen Boden der Swakopmunder Straßen unter den Füßen haben, haben wir eine Menge über das Leben in der küstennahen Wüste gelernt. Aber nur über das Leben am Tag, und so beschließen wir, Tommy das nächste Mal auf einer seiner Nachtwanderungen in den Dünen zu begleiten.

„Living Desert Tours“
Tommy’s Tours and Safaris
Tommy Collard
P.O.Box 3599
Vineta, Swakopmund
Namibia
Tel/Fax: +264 (0)64 461038
Mobilnummer: +264 (0)81 1281038
E-Mail: tommys@iway.na
Web: www.tommys@iway.na
Preise 2008: Tagestour N$ 850, Halbtagestour N$ 500, Nightwalk N$ 300 p.P.